Die Jahreshauptversammlung der Jagdgenossenschaft Garstedt fand am Gründonnerstag im Schützenhaus Garstedt statt. Rund 40 Grundeigentümer kamen zusammen, ebenso wie die beiden Jagdpächter Volker Otten und Andreas Giesen, die von Jagdvorsteher Peter Cordes begrüßt wurden.
Der 1. Vorsitzende führte routiniert durch die Tagesordnung und blickte auf die Zusammenarbeit des vergangenen Jahres zurück. Es folgten der Kassenbericht sowie die Berichte der Kassenprüfung. Vorstand und Kassenprüfer wurden entlastet.
Wahlen im Vorstand
In diesem Jahr standen turnusgemäß Wahlen an. Reiner Bardowiecks, seit 27 Jahren 2. Vorsitzender, stellte sich nicht erneut zur Wahl. Peter Cordes dankte ihm für die jahrelange gute Zusammenarbeit.
Auf Vorschlag aus der Grundeigentümerschaft wurde Ronny Naujokat mit großer Mehrheit zum neuen 2. Vorsitzenden gewählt. Auch das Amt des 2. Kassenprüfers wurde neu besetzt: Marc Kolodzeike übernimmt diese Aufgabe.
Nach dem gemeinsamen Essen, das durch den Imbisswagen von Nico Vick ausgerichtet wurde, folgte die Auszahlung der Jagdpacht.
Jagdliche Entwicklungen im Revier
Den Abschluss des offiziellen Programms bildete der ausführliche Bericht von Volker Otten. Er erläuterte, dass im vergangenen Jahr größere Wildschäden ausgeblieben sind, obwohl die Sauen weiterhin präsent sind. Ihr zunehmend unstetes Verhalten mache die Bejagung jedoch anspruchsvoller. Der Wolf, dessen Einfluss im Revier deutlich sichtbar ist, wirkt sich bislang nicht spürbar bestandsmindernd auf das Schwarzwild aus.
Auch in diesem Jahr soll wieder ein Reviergang für interessierte Einwohner stattfinden, allerdings zu einer späteren Jahreszeit. Auch im vergangenen Jahr beteiligen sich die Garstedter Jäger an der langjährigen Wildtiererfassung der Tierärztlichen Hochschule Hannover, deren Datenbasis Grundlage für Gesetzesänderungen und Managementmaßnahmen ist.
Bestandszahlen und Beobachtungen
Der anschließende Überblick über die Wildarten im Revier zeigte ein differenziertes Bild.
Beim Hasen ist eine leichte Bestandszunahme erkennbar. Die Ergebnisse der jährlichen Zählungen ließen auch 2025 zwei kleinere Stökerjagden zu, ohne dadurch den Bestand zu gefährden.
Rotwild ist in Garstedt nur selten als Wechselwild unterwegs und spielt jagdlich keine nennenswerte Rolle.
Auch Damwild wird nur vereinzelt beobachtet; einzelne Tiere wandern aus benachbarten Revieren zu. Die Zukunft des Bestandes bleibt wegen des Wolfsdrucks ungewiss.
Muffelwild ist seit 2019 nicht mehr in der Region nachweisbar. Die Rückkehr des Wolfes scheint das Muffelwild nachhaltig aus Garstedt verdrängt zu haben, sodass diese Hirschart ebenfalls keine Rolle mehr im Jagdgeschehen spielt.
Beim Schwarzwild wurden 16 Sauen erlegt, überwiegend Frischlinge. Die Tiere zeigen angesichts der Anpassung auf den Wolf ein zunehmend unstetes Verhalten, was sich in weniger berechenbaren Rotten äußert.
Die Rehwildstrecke wies im abgelaufenen Jagdjahr 49 Stück auf, wobei rund ein Drittel der Tiere Verkehrsopfer waren und ein weiterer Anteil Wolfs- oder Hunderissen zugeschrieben wird. Trotz der hohen Fallwildquote scheint der Bestand stabil, wenngleich auch diese Wildart deutlich heimlicher ist als vor Auftreten des grauen Jägers. Erstmals kam im letzten Jahr in Garstedt eine Hegering-Drohne zur Kitzrettung zum Einsatz, mit der sechs Kitze während der Wiesenmahd gefunden und gerettet werden konnten. Wenn die Drohne nicht verfügbar war, wurden aber auch konventionelle Methoden genutzt, wie das Aufstellen von Wildscheuchen und der Einsatz von Jagdhunden.
Der Wolf ist im Revier fortwährend präsent. Das Rudel in Radbruch umfasst derzeit etwa 14 Tiere. Mehrfach wurden frische Fährten und Sichtungen gemeldet. Seit März 2026 ist der Wolf im Bundesjagdgesetz verankert, wodurch den Bundesländern ein entsprechendes Wolfsmanagement ermöglicht wird. Unter der aktuellen Regierung wird Niedersachsen jedoch mutmaßlich kein zeitnahes bestandsregulierendes Management zulassen.
Bei den Raubwildarten lag der Fokus auf einer konsequenten Bejagung.
14 Füchse wurden erlegt. Nach Abklingen der Staupe ist der Bestand wieeder im ansteigen begriffen. I Rahmen der Wildschadensverhütung wurden zwei Dachse erlegt; ein geplantes Verbot der Baujagd könnte künftig zu steigenden Wildschäden durch diese Großmarder führen. Der Bestand entwickelte sich durch die Bejagung der vergangenen Jahre bislang regulierend.
Auch invasive Arten wurden zunehmend im Revier beobachtet.
Marderhunde, die Bodenbrüter und Kleinsäuger gefährden, wurden fünfmal erlegt.
Waschbären breiten sich weiter aus; ihre Strecke von 20 Tieren bildet vermutlich nur einen kleinen Teil des tatsächlichen Bestandes ab. Sie gelten als Überträger von Krankheiten und verursachen Schäden in Natur und Siedlungen.
Die Nutria-Zahlen gingen nach hohen Strecken der zurückliegenden Jahre auf 16 Stück zurück, was auf eine erfolgreiche, flächendeckende Bejagung in allen Revieren des Landkreises hindeutet.
Bei den Gänsen wurden fünf Tiere erlegt, während die Enten eine leicht rückläufige Tendenz aufweisen, weshalb die Bejagung zurückhaltend erfolgt.
Waldschnepfen kommen in den Bruch- und Auwald-Bereichen der Region noch zahlreich vor, eine Schnepfe wurde im Vorjahr erlegt. Die stimmungsvolle, traditionelle Frühjahrsjagd ist allerdings seit Jahrzehnten untersagt.
Ein erlegter Kormoran wurde ordnungsgemäß der Naturschutzbehörde gemeldet. Die Bejagung der winterlichen Gastvögel gilt als wenig wirksam, da sie keinen Einfluss auf den Gesamtbestand hat.
Der früher seltene Uhu ist inzwischen als Brutvogel in der Region etabliert und in der Gemarkung regelmäßig anzutreffen.
Zum Abschluss der Versammlung dankte Peter Cordes Volker Otten für die umfassenden Einblicke sowie Carsten Paul und Ida Hinrichsen, die während des gesamten Abends die Getränkeversorgung übernommen hatten.
Text: Volker Otten, Carsten Styra